Donnerstag, 9. September 2010
SCHWARZBUCH BÖRSE
Wenn Anleger gemolken werden
War 2009 ein tolles Börsenjahr? Wohl kaum. Anlegerschützer der SdK prangern im "Schwarzbuch Börse" viele Firmen und Missstände an. "Gemolken" wurden dabei nicht nur die Anleger etwa der Hypo Real Estate. Auch Zertifikate- und Fondsbesitzer zahlten drauf. Andere kassierten dagegen groß ab.
Hamburg - Endlich wieder anziehende Gewinne, endlich wieder steigende Kurse - nach dem tiefen Kursturz und der Depression des Vorjahres hätte man annehmen können, das Jahr 2009 würde sich gar nicht so recht für ein "Schwarzbuch Börse" eignen. Aber weit gefehlt. Trotz des enormen staatlichen Engagements mit dem Ziel, Schaden von den Menschen, den Unternehmen und den Finanzmärkten fernzuhalten, hat es nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Missstände, Managementfehler und Fehlentwicklungen gegeben.
Anlegerverdruss Börse: Das Schwarzbuch in Bildern
Das "erste Jahr der Krisenbewältigung" habe die "Spur der Vernichtung" etwa bei dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE), der Commzerbank und der Mittelstandsbank IKB erst so richtig freigelegt. Dieser Spur aber ebenso den Großinsolvenzen von Arcandor, Escada und anderen folgt das jüngste "Schwarzbuch Börse" der SdK-Aktionärsschützer. Mehrere Dutzend Firmen bekommen ihr Fett ab. Dabei finden sich nur wenige Dax-30-Konzerne unter den angeprangerten Unternehmen. Große Konzerne seien kleineren Firmen oft voraus und würden "in großer Mehrheit gut geführt", sagt SdK-Vorstand Klaus Schneider. Aber auch und insbesondere der deutsche Staat wird wegen der Verstaatlichung der HRE zur Zielscheibe der Kritik.
Manager ohne Risikobewusstsein, nichtsahnende Aufsichtsräte und maßlose Banker, die ihr Institut erst "an die Wand fahren" und dann auf Wiedereinstellung klagen - die strauchelnde Hypo Real Estate böte schon genug Stoff, um die Aktionäre auf die Palme zu treiben. Kritik erntet aber auch die Bundesregierung, die die Bank verstaatlicht und die Aktionäre abgefunden hat.

"Anders als bei der IKB und auch anders als bei der Commerzbank, bei der der Staat 2009 zur Vermeidung eines Kollapses mit mehr als 18 Milliarden Euro eingestiegen ist und sich mit einer Kapitalmehrheit von 25 Prozent zufrieden gab, wurden die Aktionäre bei der HRE vom Staat enteignet", moniert SdK-Vorstand Klaus Schneider. Zur Restrukturierung der Bank hätte auch eine 75-Prozent-Mehrheit genügt, die Bundesregierung habe die Aktionäre systemrelevanter Banken nach zweierlei Maß behandelt.
Deshalb fechten die Anlegerschützer den Enteignungsbeschluss nun vor Gericht an. Staat und Banken halten die Hypo Real Estate neben Kapitalhilfen mit Garantien von mehr als 100 Milliarden Euro am Leben.
Teil 1: Wenn Anleger gemolken werden |
|
© 2010 manager-magazin.de |
|