Donnerstag, 9. September 2010
WOLFGANG BERNHARD
Das Ende des Regenschirmhalters
Wolfgang Bernhard kehrt in den Vorstand von Daimler zurück, wie manager magazin am Freitag exklusiv meldete. Was erwartet den Konzern? Bernhard gilt vielen als brillanter Sanierer, andere fürchten die langfristigen Folgen seiner Kostendrückerei. Die Bilanz seiner bisherigen Arbeit ist nicht schlecht - trotz Chrysler und martialischer Drohungen.
Hamburg - Die Wortklauberei erinnert an einen Soziologie-Grundkurs. Nein, eine "umfassende Entfeinerung" habe es nicht gegeben, als Volkswagen die sechste Generation des Golf entwickelte. "Entfeinerung", das Wort wies Konzernchef Winterkorn bei der Präsentation des neuen Autos weit von sich. Auch künftig wolle man Modelle nicht abspecken, um sie in der Konstruktion einfacher zu machen - und damit billiger.
Dann aber erläuterte er allerlei kostensenkende Maßnahmen. So trügen die Türen des neuen Golf nun einen günstigen Aggregateträger aus Kunststoff, an dem sich die verschiedenen Ausstattungsmodule befestigen lassen, standardisiert und einfach. Einsparung laut Winterkorn: rund 20 Prozent.
Den Begriff der "Entfeinerung" hatte Wolfgang Bernhard verwendet, so lange er bei Volkswagen Markenchef von VW war, von 2005 bis 2007.
Bernhard rückt nun als Produktionsverantwortlicher und Konzernvize in den Vorstand von Daimler auf , nachdem er sich als Chef der Daimler-Transportersparte bewährt hat. Bei Daimler hatte Anfang der 90er Jahre seine steile Karriere begonnen, bis er 2004, inzwischen Kopf der Mercedes Car Group, von Konzernchef Jürgen Schrempp geschasst wurde.
Wolfgang Bernhard: Stationen einer Karriere
Entfeinerung meint am Beispiel von Volkswagen, dass viele VW-Modelle unnötig kompliziert konstruiert sind. Einfachere Lösungen, so Bernhards Idee, würden folglich viel Geld einsparen ohne zwangsläufig die Qualität zu beschädigen.
Der Golf V, noch vor Bernhards VW-Einstieg entwickelt, ist dafür das beste Beispiel. Er gilt bis heute als extrem aufwendig konstruiert. Dass er nach nur fünf Jahren abgelöst wurde - vorher lag das Intervall bei mindestens sechs Jahren -, soll mangelnder Rentabilität geschuldet sein. Zudem wurde der folgende Golf VI nicht von Grund auf neu konstruiert, sondern stellt eine Optimierung seines Vorgängers dar, technisch wie bei den Kosten.
Bei dessen Vorstellung war Wolfgang Bernhard bereits nicht mehr bei Volkswagen. Winterkorns Kritiker im Konzern sagen, er ernte nun Bernhards Früchte: Der Allgäuer ist bekannt als kompromissloser Optimierer und Strukturierer. Er scheute auch den Konflikt mit den Arbeitnehmern nicht und setzte durch, dass das kleine Geländemodell VW Tiguan nach den billigeren Tarifen der Auto 5000 GmbH gefertigt wird.