Freitag, 10. September 2010
DEUTSCHE POST
Gewinn ohne Wert
Die Deutsche Post sieht viel Positives in ihren Geschäftszahlen: Das Sparprogramm habe seine Wirkung nicht verfehlt, die Ziele für 2009 seien sogar übertroffen worden, frohlockte Konzernchef Frank Appel. Ein genauer Blick auf das Zahlenwerk zeigt aber: Die wirkliche Lage der Post ist deutlich trüber.
Die Welt des Konzerns Deutsche Post DHL könnte in Ordnung sein - wenn es die Realität nicht gäbe. Rund 1,5 Milliarden Euro Vorsteuergewinn (Ebit) hat das Unternehmen nach Angaben von Vorstandschef Frank Appel 2009 erzielt. Nicht schlecht, möchte man auf den ersten Blick meinen, schließlich war ja gerade Jahrhundertkrise. Und der kleine Zusatz "vor Einmaleffekten" klingt auch nicht weiter irritierend - einmal ist keinmal.

Die Wirklichkeit indes sieht völlig anders aus. Ein "Ebit vor Einmaleffekten" ist nicht mehr als eine Scheinrechnung, geeignet vor allem für Zeitgenossen mit Freude an Zahlenspielen. Die vermeintlich ausblendbaren "Einmaleffekte" sind die Realität, das wahre Vorsteuerergebnis beträgt 231 Millionen Euro, angesichts eines Umsatzes von 46 Milliarden Euro tränentreibend wenig.
Und zur Realität gehört auch, dass die Einmaleffekte bei der Post eben nicht einmalig sind. Sie werden vermutlich noch einige Jahre die Bilanz ramponieren, denn sie sind im Wesentlichen die Abwrackkosten einer völlig missratenen Expansionsstrategie.
Unter dem früheren Konzernchef Klaus Zumwinkel - und unter Mithilfe des langjährigen Vorstandsmitglieds Frank Appel - stieg die Post von der Briefbude zum Weltlogistiker auf. Die Mission, das belegen die aktuellen Zahlen erneut, muss als gescheitert betrachtet werden.
Der Gewinn des Konzerns stammt fast ausschließlich aus dem guten alten Briefgeschäft, das auch im vergangenen Jahr fast 1,4 Milliarden Euro vor Steuern (Ebit) einbrachte, ohne dass man irgendwelche Einmaleffekte abziehen müsste. Damit steht die Post unter dem Strich wieder da, wo sie angefangen hat.
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