Freitag, 10. September 2010
KEIN US-TANKERAUFTRAG FÜR EADS
Gefangen in der Euro-Falle
Der Traum ist geplatzt. EADS will nicht mehr für den 35-Milliarden-Dollar-Tankerauftrag der amerikanischen Luftwaffe bieten, weil sich das Unternehmen von der US-Regierung benachteiligt sieht. Die Konzernführung steht vor einem Scherbenhaufen - und gerät im Zweikampf mit Boeing ins Hintertreffen.
Hamburg - Es sollte der große Durchbruch auf dem amerikanischen Markt werden. Satte 35 Milliarden Dollar schwer war der Tankerauftrag des US-Verteidigungsministeriums, 179 Flugzeuge auf Basis des Airbus A330 hätte EADS geliefert - wenn der europäische Konzern denn den Zuschlag bekommen hätte. Der Auftrag hätte das Geschäft über Jahre gesichert.
Ausschreibungsdebakel: Die fliegende Tankstelle von EADS
Diese Phantasie ist nun zerplatzt. EADS hat die Notbremse gezogen, um sich nicht auf einen Dumpingwettbewerb mit ungewissem Ausgang einzulassen. Der Konzern verzichtet auf ein weiteres Gebot in dem Verfahren.
Nachdem EADS mit seinem amerikanischen Partner Northrop Grumman den Zuschlag im März 2008 erhalten hatte, hatte Rivale Boeing protestiert - mit Erfolg. Das US-Ministerium schrieb den Auftrag aufgrund vermeintlicher Formfehlern neu aus. "Das Verfahren war zuletzt zunehmend auf Boeing zugeschnitten", sagt Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe. "Es ist richtig, dass EADS sich aus der Ausschreibung zurückgezogen hat." Inzwischen haben auch die Bundesregierung und die EU-Kommission gegen die Vergabepraxis des US-Ministeriums protestiert.
Für den Luft- und Raumfahrtkonzern ist der entgangene Auftrag ein weiterer herber Rückschlag im Kampf mit Boeing um die weltweite Vorherrschaft über den Wolken. Noch immer schmerzt das Desaster um Produktionsverzögerungen beim A380, wie die schwachen Zahlen des Unternehmens im abgelaufenen Jahr belegen. Dann musste der Konzern um die Lieferung des Militärtransporters A400M an europäische Staaten kämpfen und milliardenschwere Zugeständnisse machen - auch das mindert aktuell die Gewinnaussichten.
Nun entgehen EADS zunächst weitere Erträge. Ursprünglich hatten Analysten die Umsatzrendite des Auftrages auf etwa 10 Prozent geschätzt - auf runde 3,5 Milliarden Dollar Gewinn muss der Konzern jetzt also in etwa verzichten. Darunter leiden auch die europäischen Standorte. Ursprünglich hatte EADS geplant, die wesentlichen Teile von der Tochter Airbus bauen zu lassen und aus Europa in die USA zu verschiffen.
Was noch viel schwerer wiegt: EADS hat bis auf weiteres die Chance verpasst, einen Fuß auf den US-amerikanischen Markt zu bekommen, der bisher fest in der Hand des Rivalen Boeing ist. Ein komplettes neues Werk wollten die Europäer im Südstaat Alabama bauen und Tausende Arbeitsplätze schaffen. Außer dem Tanker wollte EADS Frachtversionen des A330 bauen.
Teil 1: Gefangen in der Euro-Falle |
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