Freitag, 10. September 2010
BEZAHLDIENST
Telekom will Clickandbuy schlucken
Die Deutsche Telekom will offenbar den Internetzahlungsabwickler Clickandbuy ganz übernehmen. Der Konzern wolle das Unternehmen mit seinem eigenen Online-Bezahldienst T-Pay zusammenzulegen, heißt es.
Frankfurt am Main - Die Transaktion dürfte bald über die Bühne gehen, sagte eine mit dem Geschäft vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Telekom-Beteiligungstochter T-Ventures halte bereits ein Fünftel an dem Londoner Unternehmen und wolle auch die restlichen Anteile kaufen.

Clickandbuy wurde vor zehn Jahren in Köln gegründet. Das mittlerweile in London ansässige Unternehmen gehört seit vergangenem Jahr mehrheitlich der Milliardärs-Familie von Finck und einer weiteren Familie aus der Schweiz. Zudem hält der US-Halbleiterhersteller Intel zehn Prozent. Die Telekom wollte den Bericht nicht kommentieren. Von Clickandbuy war keine Stellungnahme zu erhalten.
Die Telekom plant dem Insider zufolge, ihren eigenen Online-Bezahldienst T-Pay mit Clickandbuy zusammenzulegen. Dabei könnte T-Pay auch in der Neuerwerbung aufgehen. "Von der Bekanntheit und Größe her ist Clickandbuy vorn", sagte er. Nach 922 Millionen Euro Umsatz 2008 hatte Clickandbuy im vergangenen Jahr die Marke von einer Milliarde geknackt. Einer der größten Kunden ist Apple mit seiner Musikplattform iTunes.
Seit Jahren sucht die Internetbranche händeringend nach einem System, mit dem Kunden einfach und sicher kleine Beträge bezahlen können, etwa für Online-Zeitungen. Bislang hat sich kein Standard durchgesetzt. Einer der erfolgreichsten Anbieter ist die Ebay-Tochter Paypal.
Die Telekom kündigte vorige Woche auf der IT-Messe Cebit neue Bezahllösungen für Handys an. Leser, die die Springer-Titel "Bild" und "Welt" auf ihrem Smartphone durchstöbern, sollen dafür künftig über ihre Handyrechnung bezahlen. Auch mit dem "Spiegel" arbeitet der Bonner Konzern zusammen.
Angesichts schwindender Umsätze im Kerngeschäft will die Telekom in neue Bereiche vorstoßen. Das Kernproblem: Sie baut die teure Infrastruktur für schnelle Daten- und Funkübertragungen, hat aber vom stürmischen Wachstum des Internethandels kaum etwas, während Internetriesen wie Google oder Amazon hohe Gewinne einfahren.
Branchenkenner warten nun gespannt darauf, wie Konzernchef Rene Obermann die Telekom aus diesem Dilemma bringen will. Nächste Woche stellt er in Bonn die neue "Strategie 2.0" des Unternehmens vor.
manager-magazin.de mit Material von reuters
© 2010 manager-magazin.de |
|