Freitag, 10. September 2010
AUSSTELLUNG "VISUAL LEADER"
Ohne Kunst kein Kommerz
Die Medienkrise hat der Kunst zugesetzt. Trotzdem können die Organisatoren des "Visual Leader 2010" dem Werbeeinbruch auch Gutes abgewinnen. In Hamburg zeigen sie die besten Fotografien und Anzeigen der deutschen Medienlandschaft. manager magazin präsentiert eine Auswahl.
Hamburg - Die Medienkrise macht der Kunst schwer zu schaffen, so viel steht für Markus Peichl fest. "In deutschen Zeitschriften gibt es weniger Anzeigen, ergo weniger Seiten und letztlich weniger Kreativität." Man könnte meinen, dass ihm dieser Umstand bei seiner Arbeit als Vorsitzender der Lead Academy beeinträchtigt. Schließlich besteht die Aufgabe der Lead-Jury darin, die besten Fotografien und Anzeigen aus eben jenen Magazinen herauszufischen, deren kreativer Output abgenommen hat. Doch statt sich in ihrer Auswahl einzuschränken, haben Peichl und seine Jury-Kollegen in diesem Jahr noch mehr Beiträge als im vergangenen Jahr für den "Visual Leader 2010" nominiert.
Ganze 12.000 Zeitschriftenseiten und Fotos werden ab dem 13. März in den Hamburger Deichtorhallen im Rahmen der Visual-Leader-Ausstellung zu sehen sein. Sie sollen das Beste zeigen, was 420 deutsche Magazine im vergangenen Jahr hergaben: prämiert werden Fotoserien, Zeitschriftenbeiträge, Anzeigen und Webseiten.
Trotz Werbe- und Medienkrise zeigt die Ausstellung damit in diesem Jahr rund ein Viertel mehr Exponate als 2009. Dieses Phänomen erklärt Juryleiter Peichl mit der Platzierung von Werbeanzeigen in den Magazinen: "Wenn die Annoncenzahl schrumpft, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass eine Fotostrecke durch Anzeigen unterbrochen und dadurch zerstückelt wird." Das könne auf die visuelle Erscheinung durchaus einen positiven Einfluss haben.
Eine eigenwillige Erklärung, die deutsche Verlage kaum über den Verlust ihrer Werbeeinnahmen hinwegtrösten wird. Doch ohne Kunst kein Kommerz - und umgekehrt, so der Tenor der Visual-Leader-Organisatoren. Außerdem würden sich in Krisenzeiten "die letzten Haudegen des kreativen Journalismus richtig ins Zeug legen."
Auch der Fotograf Andreas Mühe kann der Krise Gutes abgewinnen. "Wo weniger Budget ist, setzen sich die besseren Fotografen durch." Zu ihnen gehört Mühe zweifelsohne. Der Berliner Fotograf, Sohn des verstorbenen Schauspielers Ulrich Mühe, gilt als Shootingstar der deutschen Fotografie. Mit seinem Bild "Angela Merkel" ist er für die Kategorie "Porträtfotografie des Jahres" nominiert. Das Bild zeigt eben jene neben einem riesigen Baum stehend. Das Gesicht der Kanzlerin ist vom Betrachter abgewandt, neben dem überdimensionalen Gewächs ist sie leicht zu übersehen. Merkel wirkt auf dem Bild schwach und zerbrechlich. "In meinen Bildern arbeite ich häufig mit unterschiedlichen Dimensionen und abgewandten Gesichtern", so Mühe. "Das hatte ich auch mit Angela Merkel vor. Sie hat das so akzeptiert."
Ob Mühe sich mit seinem Merkel-Motiv gegen internationale Starfotografen wie Lee Friedlander, Peter Lindbergh oder Bruce Weber durchsetzen wird, wird am 25. März zu erfahren sein. Dann werden die Gewinner des Visual-Leader-Wettbewerbs bekannt gegeben. Die Ausstellung aller nominierten Künstler ist noch bis zum 11. April in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen.