Freitag, 10. September 2010
DAX-GEFLÜSTER
Sorgen um die China-Blase
Kaum scheint die Weltwirtschaftskrise überwunden, beschäftigt schon der nächste Unsicherheitsfaktor die Märkte: Droht in China eine Überhitzung? Die Indizien dafür mehren sich - und die deutsche Wirtschaft wäre stark betroffen.
Anleger, die das Thema Griechenland und Staatsschulden allmählich langweilt, aufgepasst. Es gibt möglicherweise einen neuen Grund, nervös zu werden: China.
Schon länger kursieren Berichte, am dortigen Wohnimmobilienmarkt blähe sich eine Blase auf. Jetzt kommt die Sorge hinzu, die Wirtschaft insgesamt könnte überhitzen. Ein Hinweis darauf kam gerade diese Woche aus dem Reich der Mitte. Die Inflationsrate, so das chinesische Statistikamt,
sei im Februar mit 2,7 Prozent auf den höchsten Stand seit 16 Monaten gestiegen . "Angesichts des starken Wirtschaftswachstums und der Inflationsrate ist es für die Regierung notwendig, deutliche Maßnahmen gegen eine Überhitzung einzuleiten", schrieben die Goldman-Sachs-Volkswirte Yu Song und Helen Qiao.
Worte, die auch auf dem Börsenparkett in Frankfurt Gehör gefunden haben dürften. Denn wenn die fernöstliche Großmacht tatsächlich überdreht, dann wäre auch die deutsche Wirtschaft davon betroffen.
Das beginnt naturgemäß beim Außenhandel, an dem China aus Sicht der deutschen Exporteure einen immer größeren Anteil hat. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden allein 2009 Waren und Güter im Wert von 36,5 Milliarden Euro von Deutschland nach China ausgeführt. Mit einem Anteil von 4,5 Prozent ist das Land in Fernost damit achtgrößter Empfänger deutscher Ausfuhren (Platz 1: Frankreich). Im Jahr 2000 lag China noch mit einem Anteil von 1,6 Prozent an den deutschen Exporten auf Platz 16.